Die systematischen und skalierbaren Methoden des modernen Holzbaus bieten ein hohes Potenzial, um die für eine nachhaltige Bestandsentwicklung von Wohngebäuden und Quartieren erforderlichen Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen sowie Gebäudeerweiterungen effizient und mit hohen ökologischen Standards umzusetzen. Mehr als 225 Teilnehmende haben sich hierzu online und in Präsenz im Rahmen des von Wald und Holz NRW und dem VdW Rheinland Westfalen am 25.06.2026 veranstalteten Hybrid-Seminar zur nachhaltigen Bestandsentwicklung informiert.
„Der Bestand bietet den größten Hebel für die Umsetzung der Klimaschutzziele im Gebäudesektor“ betonte Oliver Niermann, zuständig für den Bereich der Interessenvertretung, Wohnungs- und Städtebauförderung beim VdW Rheinland Westfalen. Der Einsatz von vorgefertigten Fassaden- und Dachelemente sowie standardisierter Haustechnik und die damit verbundene Effizienzsteigerung im Rahmen der Seriellen Sanierung übernehme eine Schlüsselfunktion bei der Zielerreichung des „klimaneutralen Gebäudebestands“. So verzeichne NRW im bundesweiten Vergleich die höchste Zahl an seriellen Sanierungsprojekten.

Die Aufstockung von Bestandsgebäuden biete zudem ein hohes Potenzial, bezahlbaren und nachhaltigen Wohnraum zu schaffen. Dies zeige die „Deutschlandstudie 2019“ des Pestel-Instituts und der TU Darmstadt, wonach bis zu 1,5 Mio. Wohneinheiten auf Wohngebäuden der 1950er- bis 1990er-Jahre entstehen könnten.
Die technische Umsetzung der Bauaufgaben „Aufstockung“ und „Sanierung“ mit den Methoden des modernen Holzbaus wurden „step by step“ gemeinsam durch Annette Clauß, Bauen mit Holz.NRW, Fachberatung Holzbau und Gerd Prause, Prause Holzbauplanung, vorgestellt.
Qualitäten aufzeigen und Reserven entdecken: Am Anfang von Aufstockung und Sanierung stehen eine umfassende Bestandsanalyse und das digitale Aufmaß zur Erstellung des digitalen Zwillings des Bestandsgebäudes. Dieser bildet die Grundlage für die weitere Gebäudeplanung.
Zudem benötigen vorgefertigte, multifunktionale Fassaden-, Decken-, Wand- und Dachelemente eine integrale Planung. Diese beinhaltet die Architektur, Vermessung und Tragwerksplanung, die Umsetzung des Schall-, Feuchte- und Brandschutzes, die technische Gebäudeausstattung sowie die daraus resultierende Holzbauplanung zur Fertigung der Elemente. Die Holzbauplanung umfasst zusätzlich zur Elementierung auch die Planung des Witterungsschutzes während der Bauphase.

Wie mehr Wohnraum durch Aufstockung in Holzbauweise geschaffen werden kann, zeigte die Präsentation des VIVAWEST-Modellquartiers „Bergmannsgrün“ in Dortmund Huckarde durch Carsten Gröning, Leitung Zentrale Quartiersentwicklung und Gregor Polaczek, zuständig für die Planung im Bereich Modernisierung und Bestandstechnik bei Vivawest. So konnten im Standard KfW 55 EE 61 Wohneinheiten in der Dachaufstockung neu geschaffen sowie zeitgleich 122 Wohneinheiten im Bestand modernisiert werden.
Zudem wird im Modellquartier „Bergmannsgrün“ aktuell eine Kita mit Familienzentrum in Holzbauweise realisiert. Bis 2028 erfolgt der Neubau von mehreren fünfgeschossigen Mehrfamilienhäusern in Holzhybrid-Bauweise mit insgesamt 199 Wohnungen. Hierzu wurden durch die Vivawest drei verschiedene Gebäudetypen entwickelt.

Die Umsetzung der Seriellen Sanierung in großem Maßstab zeigte Heiko Seen von der HU-Holzunion anhand des Quartiers Corellistraße der Reinwohnungsbau in Düsseldorf. Im ersten Bauabschnitt wurden hier bereits vier viergeschossige Wohngebäude mit 32 Wohnungen aus dem Baujahr 1970 im vorgefertigten Holzbausystem auf ein zukunftsfähiges Effizienzniveau gebracht. Der Primärenergiebedarf konnte so von 84 kWh/m2a auf 18 kWh/m2a reduziert werden. Insgesamt werden im Quartier Corellistraße 16 Gebäude mit 140 Wohnungen seriell saniert.

Für die Finanzierung von Aufstockung und Modernisierung bestehen in NRW sehr gute Rahmenbedingungen. Das Up-Date zur Wohnraumförderung des Landes NRW erfolgte durch Fabia Zurkuhlen und Nerisa Coric von der NRW.BANK. Neben zinsgünstigen Darlehen stehen hier attraktive Tilgungsnachlässe zur Verfügung. Aufstockungen in Holzbauweise werden bei der Neuschaffung von Mietraum mit dem Zusatzdarlehen für Bauen mit Holz gefördert.
Weitere Impressionen zur Hybrid-Fachtagung „Nachhaltige Bestandsentwicklung in moderner Holzbauweise“




Bildquelle: PK-Media Consulting GmbH