Novellierung der BauO NRW

Mit der überarbeiteten BauO NRW nähert sich NRW fast vollständig der aktuellen Musterbauordnung an und setzt somit die aktuellen länderübergreifenden Empfehlungen der ARGEBau in Landesrecht um.

Änderungen:

Perspektivisch wird der Holzbau in NRW von zwei wesentlichen Änderungen profitieren:

Diese Änderungen betreffen zum ersten die Einteilung der Gebäudeklassen, zum zweiten die Feuerwiderstandsfähigkeit. Die noch bis zum 28.12.2018 gültige derzeitige BauO (2000) stuft die Anforderungen an Gebäude nach deren Höhe ein (Gebäude geringer Höhe, Gebäude mittlerer Höhe, Hochhäuser). Hinsichtlich des Feuerwiderstands unterscheidet die BauO (2000) in die Klassen F30 (feuerhemmend) und F90 (feuerbeständig).

Die allgemeine Verwendbarkeit von brennbaren Baustoffen (wie Holz) im Tragwerk war auf die Gebäude „geringer Höhe“ beschränkt.

Quelle: Bauordnung NRW in Bildern, Auflage 2000

In der überarbeiteten BauO, welche ab dem 01.01.2018 anzuwenden sein wird, wurden die Gebäudeklassen entsprechend der aktuellen Musterbauordnung übernommen. Zukünftig wird es in NRW die Gebäudeklassen 1-5 geben. Hinsichtlich der Feuerwiderstandsfähigkeit wird neben den Begriffen „feuerhemmend“ und „feuerbeständig“ die Anforderung „hochfeuerhemmend“ ergänzt. Als brennbarer Baustoff kann Holz in Kombination mit anderen Baustoffen den Anforderungen an hochfeuerhemmende Konstruktionen entsprechen. Sämtliche Bauteile, an die hinsichtlich des konstruktiven Brandschutzes maximal eine „hochfeuerhemmende“ Bauweise gefordert werden, können somit mit Holzkonstruktionen realisiert werden.

Daher können in NRW zukünftig Gebäude der Gebäudeklassen 1-4 als Holzgebäude in voller Übereinstimmung mit der BauO realisiert werden, ohne den genehmigungsrechtlichen Sonderweg über eine Zustimmung im Einzelfall beschreiten zu müssen. Beispiele aus anderen Bundesländern, deren Landesbauordnungen bereits vor Jahren an die Musterbauordnung angepasst wurde, zeigen die belebenden Impulse, die von Holzgebäuden für die urbane Entwicklung ausgehen. Zugleich ermöglichen sie es, in Ballungsräumen über leichtgewichtige Aufstockungen zusätzlichen Wohnraum über den vorhandenen Dächern der Stadt zu schaffen. Holz bietet sich gerade für diese Bauaufgabe an, da es ein sehr leichtes und leistungsfähiges Baumaterial ist.

An mehrgeschossige Gebäude mit mehreren Nutzungseinheiten – seien es Wohn- oder Bürogebäude – stellt die BauO NRW konkrete Anforderungen an den konstruktiven Brandschutz.

Hochfeuerhemmende Konstruktionen sind in §26 BauO NRW (2016) hinsichtlich ihrer Bauweise prinzipiell beschrieben. Hochfeuerhemmende Bauteile aus Holz, die nach den Vorgaben der BauO NRW erstellt werden, müssen eine allseitig wirksame Brandschutzbekleidung aufweisen. Durch diese „Kapselung“ wird der brennbare Baustoff im Inneren der Konstruktionen gegenüber den Einwirkungen von Feuer und Rauch geschützt. Besonderes Augenmerk ist hierbei auf Installationen, Fugen und Einbauten zu richten, welche die Wirksamkeit der Brandschutzbeplankung beeinträchtigen können.

Die Muster-Richtlinie für Hochfeuerhemmende Konstruktionen in Holzbauweise (M-HFHHolzR) aus 2004 konkretisiert diese Vorgaben für Bauteile in Holztafelbauweise und Brettstapeldecken und zeigt Musterlösungen für Details, die – richtig umgesetzt – allen technischen Anforderungen an „hochfeuerhemmende“ Konstruktionen entsprechen und den damaligen Stand von Wissenschaft, Bautechnik und Normung darstellen.

Anschluss Decke an tragende und raumabschließende Wand – Quelle: M-HFHHolzR

Die seither gewonnenen Erfahrungen in der baupraktischen Umsetzung der Musterrichtlinie, neue wissenschaftliche Erkenntnisse und geänderte Anforderungen an Baustoffe und Bauweisen sollen sich in einer geplanten Novellierung der Musterrichtlinie niederschlagen.

Sofern von den in § 26 BauO aufgestellten Konstruktionsprinzipien abgewichen wird, kann die Gleichwertigkeit der Konstruktion in Bezug auf das Schutzziel „hochfeuerhemmend“ nachgewiesen werden über:

  • allgemeine Prüfzeugnisse
  • allgemeine bautechnische Zulassungen oder eine
  • Zustimmung im Einzelfall

Inwieweit Abweichungen von den Vorgaben nach §26 BauO NRW (2016) durch andere bauliche, technische und organisatorische Maßnahmen kompensiert werden können, ist im Einzelfall zu prüfen. Dies geschieht in der Regel über Brandschutzkonzepte, die objektspezifisch entwickelt werden und nur für große Sonderbauten zwingend vorgeschrieben sind.

Weiterhin wird es mit der neuen Bauordnung möglich sein, über Nachweis im Einzelfall (z.B. Abbrandberechnung) das erforderliche Schutzziel nachzuweisen und somit auch unverkleidetes/sichtbares Holz in größeren Bauvorhaben einzusetzen.

Was kann die Novelle der BauO für die Holzbaubranche in NRW bedeuten?

Die „Holzbauer“ in NRW sind leistungsstarke Unternehmen mit Erfahrung in der Errichtung von mehrgeschossigen Gebäuden in Holzbauweise. Sie verfügen sowohl über die erforderlichen betrieblichen Infrastrukturen als auch über das nötige Wissen, um den neuen Bauaufgaben, nach Abbau bestehender rechtlicher Hürden in NRW, gewachsen zu sein.

Die Holzbau-Quote in NRW betrug im Jahr 2015 rund 10%. Dabei wurden in dieser Statistik ausschließlich „Gebäude geringer Höhe“ erfasst.

 

Anhand statistischer Daten aus 2015, die in der nachstehenden Tabelle zusammengefasst wurden, lässt sich das Auftragsvolumen und die veranschlagten Bauwerkskosten darstellen.

Sofern die Holzbau-Quote unverändert bliebe, beträgt das jährliche Auftragspotential für den Holzbau ca. 1930 Gebäude bis 3 Geschosse (Baukostenvolumen ca. 687 Mio. €) und 37 Gebäude mit 4 – 5 Geschossen (Baukostenvolumen ca. 100 Mio. €). Bei einer Steigerung der Holzbauquote von nun 10 % auf den Länderdurchschnitt von 16% hätte der Holzbau Zugriff auf ein Baukostenvolumen von ca. 1,250 Mrd. € jährlich.

Mit den in NRW erzeugten, im Land veredelten und verbauten Baustoffen aus Holz trägt somit die politische Entscheidung zur Novelle der BauO zur Stärkung der regionalen Wirtschaftsräume bei.

Das Bauen mit Holz darf somit nicht länger unter dem Aspekt des ökologisch korrekten Bauens als Ausdruck weltfremder Ansichten oder Rückbesinnung auf jahrhundertealte Bautraditionen verstanden werden. Es ist vielmehr Ausdruck einer leistungsstarken Branche, die den im Land nachhaltig erzeugten Baustoff Holz zur Wahrung der Ressourcen nutzt und somit die allgemeinen Ziele der BauO NRW § 3(1) umsetzt: „Bauliche Anlagen […] sind so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und instand zu halten, dass die öffentliche Sicherheit oder Ordnung, insbesondere Leben, Gesundheit oder die natürlichen Lebensgrundlagen, nicht gefährdet wird.“

Resümee:

Die überarbeitete BauO NRW ermöglicht mehrgeschossige Bauwerke mit bis zu fünf Geschossen in Holzbauweise. In den Ballungsräumen können somit „Bauwerke ohne Baugrund“ durch das Aufstocken von Bestandsgebäuden bis zu einer Höhe der obersten Nutzungsebene von 13,0 m über Gelände auch in Holzbauweisen errichtet werden.

Wie bisher ermöglicht es die BauO NRW, Abweichungen von den allgemeinen Regelungen über objektbezogene Zustimmungen der Bauaufsichtsbehörden im Einzelfall zuzulassen. Für große Sonderbauten wird obligatorisch ein objektbezogenes Brandschutzkonzept gefordert.

Um das Potential des Baustoffs Holz vollständig nutzen zu können und dem vielfachen Nutzerwunsch nach sichtbaren Holzoberflächen entsprechen zu können, empfiehlt es sich, bei mehrgeschossigen Holzgebäuden in der Gebäudeklasse 4 ein objektspezifisches Brandschutzkonzept erstellen zu lassen.

 

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